Umzug mit Hartz 4 − welche Regeln und Fristen muss ich beachten, damit meine Umzugskosten vom Jobcenter anteilig übernommen werden?

GeldbeutelEin Hartz-IV-Empfänger kann sich einen Umzug meist nicht einfach so leisten. Die Kosten für Transporter und Umzugshelfer übersteigen die Leistungen, die ein ALG2-Empfänger monatlich erhält, bei weitem. Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Umzugskosten vom Jobcenter jedoch teilweise übernommen.

Zu glauben, das Jobcenter könne einen Umzug generell und die Kostenerstattung direkt verweigern, ist ein Irrglaube, der sich in Deutschland nach wie vor hält. Die Selbstbestimmung des Wohnorts ist das Recht jedes Bundesbürgers, wichtig ist dabei nur, dass Sie, wenn Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II bezogen werden, den Umzug dem Arbeitsamt melden. Die Finanzierung des Umzugs wird dann vom Jobcenter übernommen, als Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur, wenn entweder triftige Gründe für einen Umzug vorliegen, oder die Aufforderung direkt vom Jobcenter selbst kommt. Dann gibt es eine Beihilfe zu den Umzugskosten vom Jobcenter.

Für den freiwilligen Umzug gibt es eine Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur, wenn:

  • …es zu einer Veränderung der Lebenssituation ansteht. Das kann die Geburt eines Kindes sein, eine Heirat oder aber die Trennung vom Lebens- oder Ehepartner.
  • …der Vermieter die bisher bewohnte Wohnung wegen Eigenbedarf oder Ähnlichem kündigt. Voraussetzung für den Erhalt einer Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur ist jedoch, dass die Kündigung nicht selbst verschuldet ist, wegen Nicht-Zahlung der Miete oder aus anderen gravierenden Gründen. Wie bei jedem anderen Umzug auch ist der Umzug dem Arbeitsamt zu melden.
  • Den Umzug dem Arbeitsamt melden und Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur erhalten kann ein Hartz-IV-Empfänger auch, wenn aufgrund von Alter und/oder Krankheit die bisherige Wohnung nicht mehr bewohnt werden kann, da diese nicht barrierefrei ist, Treppen nicht mehr gestiegen werden können und es beispielsweise keinen Aufzug gibt.
  • Eine neue Arbeitsstelle wurde angenommen, die jedoch so weit entfernt liegt, dass seitens der Arbeitsagentur der Arbeitsweg als nicht mehr zumutbar angesehen wird. Auch hier können Sie einen Antrag auf Umzugsbeihilfe stellen, damit Umzugskosten vom Jobcenterübernommen werden.
  • Der Zustand der Wohnung ist so schlecht, dass die Wohnung unbewohnbar ist, z.B. bei Schimmel. Die Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur gibt es jedoch nur dann, wenn der Mieter selbst nicht für den Schaden verantwortlich ist und sich der Vermieter der Wohnung weigert, den Schimmelbefall oder andere Schäden zu beheben. Außerdem müssen Sie rechtzeitig den Umzug dem Arbeitsamt melden, um Umzugsbeihilfe beim Jobcenter zu beantragen.
  • Ebenfalls für die Umzugskosten aufkommen muss die Arbeitsagentur, wenn Sie in eine günstigere Wohnung umziehen. Da der Umzug günstigere Kosten für das Jobcenter zur Folge hat, ist dies der einfachste Grund, um eine Umzugsbeihilfe der Arbeitsagenturzu erhalten.

Die Umzugskosten vom Jobcenter werden hingegen nicht übernommen, selbst wenn Sie rechtzeitig den Umzug dem Arbeitsamt melden, wenn:

  • Mietmängel zwar vorhanden sind, diese jedoch die bisherige Wohnung nicht unbewohnbar machen.
  • Auszug eines unter 25-Jährigen aus dem Elternhaus ohne triftigen Grund. Dies gilt selbst dann, wenn die Betroffenen rechtzeitig den Umzug dem Arbeitsamt melden.
  • Vermittlungschancen, die für eine Arbeitsstelle dann besser sein sollen, ohne dass dem Hartz-IV-Empfänger bereits ein Arbeitsvertrag vorliegt.

Bei diesen Gründen müssen Sie darauf achten, dass das Jobcenter die Leistungen nicht gar kürzt, weil es  davon ausgehen muss, dass der Erwerbslose finanziell besser dasteht, als er vorgibt. Das bedeutet: bevor ein Umzug erfolgt, sollte der neue Mietvertrag vor der Unterzeichnung dem Jobcenter vorgelegt werden, anstatt einfach nur den Umzug dem Arbeitsamt zu melden, wenn es dann soweit ist.

Wenn der Zwangsumzug droht: Umzugskosten vom Jobcenter zahlen lassen!

Immer wieder kommt es vor, dass ein Hartz-IV-Empfänger vom Jobcenter zum Umzug in eine günstigere Wohnung aufgefordert wird. Das ist rechtens, wenn das Amt den Wohnraum und dessen Preis als nicht angemessen betrachtet. Sie können nicht zum Umzug gezwungen werden, müssen dann aber den überbleibenden Restbetrag der Miete selbst tragen. Wird einer solchen Umzugsaufforderung Folge geleistet, sind die Umzugskosten vom Jobcenter zu tragen. Die Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur muss dann entsprechend greifen, da es ja das Amt ist, welches den Umzug des Hartz-IV-Empfängers fordert. Sobald dann eine neue, günstigere Wohnung gefunden ist, ist es wichtig, den Umzug dem Arbeitsamt zu melden, und möglichst gleichzeitig einen Antrag auf die Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur zu stellen. Die Umzugskosten vom Jobcenter werden dann entweder direkt an das Umzugsunternehmen gezahlt oder auf das Konto des Hilfeempfängers.

Welche Umzugskosten vom Jobcenter übernommen werden

Die Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur sieht nicht automatisch das Bezahlen eines Umzugsunternehmens vor. Die Kosten für ein Unternehmen werden nur dann als Teil der Umzugskosten vom Jobcenter übernommen, wenn der Hilfeempfänger nachweislich körperlich nicht in der Lage ist, seinen Umzug selbst durchzuführen. Ansonsten umfassen die Umzugskosten vom Jobcenter die Kosten, die für ein angemietetes Fahrzeug für den Umzug anfallen, die Helferpauschale (= die Verpflegung der Helfer, die beim privaten Umzug helfen), die Umzugskartons, die für den Umzug benötigten weiteren Materialien wie Spanngurte und gegebenenfalls weiteres Verpackungsmaterial. Dazu fällt unter die Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur auch die Übernahme der Kosten für die Schönheitsreparaturen, falls der Mieter laut Mietvertrag zu diesen verpflichtet ist.

Neben diesen Kosten können unter die Umzugsbeihilfe der Arbeitsagentur auch die Kosten für Wohnungsannoncen, Wohnungsbesichtigungen und Maklergebühren fallen, dies jedoch nur in Ausnahmefällen und mit einer Begründung, die für die Arbeitsagentur nachvollziehbar ist. Wichtig ist: egal welche Umzugskosten vom Jobcenter übernommen werden, es ist wichtig, den Umzug dem Arbeitsamt zu melden, bevor dieser geplant wird.

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